Einwendung zum Rechenzentrum in Beringen
Das in Beringen geplante, zweite Datencenter erfüllt den Grundsatz einer sparsamen und effizienten Energieverwendung nicht. Es bleibt bei diesem Projekt ein grosses Abwärmepotenzial ungenutzt. Auch die vorgesehenen Ersatzmassnahmen für betroffene, geschützte Tier- und Pflanzenarten erachtet der WWF als unzureichend. Er hat daher eine Einwendung zum Projekt eingereicht.
Grosses ungenutztes Abwärmepotenzial
Aus einer übergeordneten Energieperspektive kann sich die Schweiz nur noch Projekte leisten, die den Grundsatz einer sparsamen und effizienten Energieverwendung erfüllen (Art. 5 Energiegesetz). Das geplante Rechenzentrum in Beringen wird diesem Anspruch aber nicht gerecht, insbesondere weil die Abwärme kaum genutzt wird. Sie würde im Vollbetrieb 245 GWh betragen, was dem Wärmebedarf von ca. 20’000 Haushalten entspricht. Sie kann aber an diesem Ort vorläufig nicht verwendet werden, da es kaum Bedarf resp. keine gesicherte Abnahme dafür gibt. Dies auch, weil in derselben Gemeinde schon ein Rechenzentrum gebaut wird, für das die Nutzung der Abwärme auch noch nicht verbindlich geregelt ist. Es gibt somit zu viel Abwärme am falschen Ort und es ist davon auszugehen, dass sie grösstenteils ungenutzt verpuffen wird.
Fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung
Rechenzentren sind als Ganzes nicht der Pflicht zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) unterstellt. Das Datencenter in Beringen plant aber eine mit Diesel betriebene Notstromanlage mit einer thermischen Leistung grösser als 50 Megawatt (MW). Damit wird der Schwellenwert für die UVP-Pflicht überschritten.
Geschütze Tiere und Pflanzen in Gefahr
Im Norden der für den Bau des Rechenzentrums vorgesehenen Bauparzelle liegt eine ökologisch wertvolle Bahnböschung. In dieser leben viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten, die auf der Roten Liste stehen. Dazu zählen u.a. die Quendelschnecke, die Zebraschnecke, die Zauneidechse und der kleine Wiesenbocksbart. Auch besteht ein Bewuchs mit geschütztem mitteleuropäischen Halbtrockenrasen, Mesobromion. Diese Arten sind auf eine gute Besonnung ihres Lebensraums angewiesen. Das Bauprojekt würde jedoch mit den hohen Gebäuden die Bahnböschung massiv beschatten. Die von den Projektanten geplanten Ersatzmassnahmen mit Umsiedlung der Arten auf eine Ersatzfläche erfüllen die Anforderungen an einen ökologisch funktionalen Ersatz nicht.
Der WWF erachtet dieses Projekt in der jetzigen Form als nicht bewilligungsfähig. Die Energie wird nicht effizient verwendet, es fehlt eine Umweltverträglichkeitsprüfung für die Notstromanlage und die geplanten Ersatzmassnahmen für gefährdete Arten sind ungenügend. In der jetzigen Ausgestaltung ist das Projekt zu gross und steht am falschen Ort.
Weitere Informationen sowie grundsätzliche Fragen bezüglich Rechenzentren sind der Medienmitteilung vom Mai 2026 zu entnehmen.

