Virtuelles Wasser

© Hartmut Jungius / WWF-Canon

Vom virtuellen Wasser zum ökologischen Wasser-Fussabdruck

Ökotipp vom 24. Mai 2011 von Barbara Gehring
Geschäftsführerin WWF Schaffhausen 

Eines der erschreckendsten Beispiele, wie katastrophal der Eingriff des Menschen in den natürlichen Wasserhaushalt sein kann, ist der Aralsee. Die Zuflüsse des ehemals viertgrössten Süsswassersee der Welt wurden zu Stalins Zeiten in ein riesiges Steppengebiet umgeleitet, um Baumwolle anzubauen. Mit bis heute verheerenden Folgen für Klima, Ökologie, Natur und  Menschen am Aralsee.
In der Schweiz ist der Wasserverbrauch in Haushalt und Industrie in den letzten Jahren beständig gesunken. Dieser Trend ist begrüssenswert und muss weiter gefördert werden. Doch die bei uns verbrauchten Wassermengen stellen nur einen geringen Teil dessen dar, was wir wirklich jeden Tag beanspruchen. Der Löwenanteil des Wassers ist in unseren Lebensmitteln, der Kleidung oder anderen Produkten versteckt, die wir im Alltag ver- und gebrauchen, und zwar in Form von so genanntem virtuellem Wasser. Damit ist die Menge an Wasser gemeint, die zur Herstellung dieser Produkte benötigt wird. In Kombination mit der Information über die Herkunft dieses Wassers sprechen wir vereinfacht vom Wasser-Fussabdruck.
Bisher gab es für die Schweiz nur Schätzungen des Wasser-Fussabdrucks. Ziel der WWF-Studie „Der Wasser-Fussabdruck der Schweiz“ war es daher, diesen mit Fokus auf Agrarprodukte und deren Herkunftsländer zu analysieren.

Jeder Einwohner, jede Einwohnerin der Schweiz verbraucht täglich effektiv  6’082 Liter Wasser. Davon jedoch nur einen geringen Teil als Trinkwasser, zum Kochen oder für andere Haushaltsbedürfnisse. Der Grossteil steckt in den Lebensmitteln oder Produkten, die täglich konsumiert werden. Rund 62 Prozent des Schweizer Wasser-Fussabdrucks von landwirtschaftlichen Gütern steckt in importierten Produkten oder Nahrungsmitteln. Das bedeutet, dass durch die Einfuhr dieser Güter auch Wasser in virtueller Form von dem Erzeugerland importiert wurde. Die Schweiz hat also dort ihren Wasser-Fussabdruck hinterlassen. Die importierten Güter mit dem höchsten Wasser-Fussabdruck sind - in abnehmender Reihenfolge - Kakao, Kaffee, Zucker, Nüsse, Weizen, Ölsaaten, Reis und Rindfleisch. Dabei entsteht der grösste Wasser-Fussabdruck der Schweiz in Ghana, der Elfenbeinküste, Brasilien, Frankreich, Italien, Deutschland und Spanien - ebenfalls in abnehmender Reihenfolge.

Wie stark die Auswirkungen des Exports von virtuellem Wasser sind, hängt von den regionalen Klimabedingungen und Produktionstechnologien im jeweiligen Erzeugerland ab, insbesondere hinsichtlich der sich immer weiter ausbreitenden Bewässerungs-Landwirtschaft. Oft wird Wasser illegal angezapft, auf Kosten von Feuchtgebieten und Fliessgewässer, die Schaden nehmen oder sogar austrocknen.

Was können wir tun, um unseren Wasser-Fussabdruck klein zu halten? Vornehmlich regionales und saisonales Gemüse und Obst einkaufen. Vor allem die aus dem Mittelmeerraum, Nordafrika, Israel und der Türkei importierten Produkte genügen derzeit nur in den wenigsten Fällen den Anforderungen an eine effiziente Bewässerung oder einem sorgsamen Umgang mit der knappen Ressource Wasser.
Wenig Fleisch essen, denn Viehzucht braucht sehr viel Wasser. Generell vor jedem Kauf zu überlegen: „Brauche ich das wirklich?“ Weniger ist mehr, denn auch die Produktion eines Billig-Baumwoll-T-Shirts braucht mehrere 10‘000 Liter Wasser. Der Aralsee lässt grüssen.

Die WWF-Studie Der Wasser-Fussabdruck der Schweiz umfasst  40 Seiten, liest sich spannend wie ein Krimi und kann unter wwf.ch heruntergeladen werden. 

.hausformat | Webdesign, TYPO3, 3D Animation, Video, Game, Print