Erdbeeren im Februar?

Pardellluchs im Doñana Nationalpark

Wie halten Sie es mit Erdbeeren und Spargeln im Februar?

Ökotipp vom 23. Februar 2010
von Barbara Gehring, Geschäftsführerin WWF Schaffhausen 

Spielt es aus ökologischer Sicht eine Rolle, ob wir schon im Februar Spargeln und Erdbeeren kaufen?
Zuerst zu den Erdbeeren: Diese kommen ja schliesslich aus dem südlichen und bereits warmen Spanien, oder?
Nahezu die Hälfte der Erdbeeren für den europäischen Markt wird im südlichen Spanien, im Umkreis des Doñana Nationalpark angebaut. Ein Geschäft in der Höhe von rund 150 Millionen Euro pro Jahr. Zu den Abnehmern der Erdbeeren gehört auch die Schweiz. Die sich immer weiter ausdehnenden Erdbeerplantagen brauchen sehr viel Wasser. Unterdessen führen die Wasserzuläufe in den Nationalpark bis zu 80 Prozent weniger Wasser. Über die Hälfte der Erdbeerplantagen wird mit Wasser aus illegal gebohrten Zisternen bewässert. Und für ein Drittel der Plantagen wurden Kiefernwälder illegal abgeholzt.

Zusammen mit Detailhändlern setzt sich der WWF seit langem für eine nachhaltige Entwicklung der Region ein und fordert beim Erdbeeranbau sowohl soziale Kriterien wie auch konsequente Umweltauflagen. Legale Produktion und effizienter Wasserverbrauch spielen auch für Schweizer Grossverteiler eine zunehmend wichtige Rolle. So achten immer mehr Firmen bei der Wahl ihrer Produzenten auf diese Fakten.
Der Doñana Nationalpark ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete der Welt, weshalb er von der UNO im Jahr 1994 zum Weltnaturerbe erhoben wurde.
Und er ist ein Vogelparadies. Denn für unzählige Zugvögel sind seine ausgedehnten Wies- und Sumpfflächen ein unentbehrlicher Rastplatz auf dem Weg vom Norden in den Süden. Durch die eingeschränkte Wasserzufuhr ist dieses wichtige Ökosystem bedroht.

Die fehlende Raumplanung und die illegalen Waldumwandlungen um den Park machen aber einem Tier das Leben besonders schwer: In den Pinienwäldern des Doñana-Nationalparks leben noch rund 60 Pardellluchse (auch Iberischer Luchs genannt). Ein Viertel des gesamten Bestandes dieser weltweit am meisten bedrohten Raubkatze lebt hier. Der Park bietet den Luchsen Schutz, und dank Kaninchen auch Futter. Der Luchs aus der Doñana kann aber nur überleben, wenn er sich mit seinen Artgenossen weiter oben in den Bergen – in der Sierra Morena – vermischen kann. Die beiden Luchs-Populationen könnten durch Umsiedlung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, denn sie unterscheiden sich genetisch. Allzu oft aber findet das Leben der Doñana-Luchse ein abruptes Ende unter einem Lastwagen, auf einer der zugeteerten Feldstrassen für den Erdbeeranbau.
Auch Sie können helfen, den Druck auf den Pardellluchs und den Doñana-Nationalparks zu vermindern: Indem Sie Erdbeeren erst dann kaufen, wenn jene aus Schweizer Anbau in den Regalen liegen, am besten aus einheimischer Bioproduktion. Weil diese länger an der Staude hängen, schmecken sie zudem aromatischer und schonen mit kurzen Transportwegen erst noch das Klima.

Und auch bezüglich Spargeln jedes Jahr das selbe Bild: Es ist Februar und kalt. In den Regalen der Supermärkte aber liegen sie bereits, die Spargeln! Beim genauen Hinschauen wird klar, diese Spargeln haben eine weite Flugreise hinter sich. Sie stammen aus Länder wie Mexiko oder Peru. Beim Kauf von 1 kg Spargel aus Mexiko kaufen wir 5 Liter Erdöl mit. Diese 5 Liter Erdöl werden vor allem für den Transport verbraucht. Zum Vergleich: 1 kg Schweizer Spargeln, gekauft im Mai, benötigt 0,3 l Erdöl. Es gibt zwar in der Zwischenzeit auch ein kleines Angebot von Spargeln, das mit dem Schiff aus Übersee transportiert wird. Aber mein Tipp für Erdbeeren und Spargel: Warten, bis beides in unserer Region reif ist und geerntet wird. Das ist für die Natur und unseren Gaumen besser! 

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