Schlaf gut Garten

© David Lawson / WWF-UK

Die Natur braucht Erholung

Ökotipp vom 13. Oktober 2009
von Katrin Baumann, Zoologin, freiwillige Mitarbeiterin WWF Schaffhausen 

Wenn ich in diesen Tagen jemanden besuche, so heisst es: "Jetzt isch dä Garte halt nümme so schön". Jetzt ist die Zeit, in der die Bäume und Sträucher beginnen ihre Blätter abzuwerfen, die letzten Blumen verblühen, die Stauden vertrocknen und viele Pflanzen verwelken. Es ist Herbst, die kalte Jahreszeit steht vor der Tür, und die Natur bereitet sich auf den Winter vor. 

Was in unseren Augen im Garten unordentlich und "nümme so schön uusgseht", ist für den natürlichen saisonalen Kreislauf von grosser Bedeutung. Die Pflanzen beginnen ihre Kräfte zu schonen und investieren sie ins Überleben und nicht ins Wachstum. Nur so können sie im Frühling wieder ergrünen und erblühen, um später Früchte zu tragen. 

Aber auch die einheimischen Tiere bereiten sich vor, und der naturnahe Garten ist ein Winterparadies für Wildtiere. Die Tiere legen Nahrungsvorräte an und suchen sich einen für sie passenden, geschützten Platz, um die kalten und nassen Tage des Winters gut zu überstehen. 

Jeder Gartenbesitzer kann etwas dazu beitragen, um den Tieren den Winter leichter zu machen. Einfache Massnahmen genügen, damit die Tiere natürliche Nahrung und geeignete Winterquartiere finden. Ein naturnaher Garten ist kein verwilderter Garten, sondern ein gezielt gepflegter. Er ist den Tieren eine grosse Überlebenshilfe. 

Lassen Sie doch die eine oder andere Pflanze oder am besten alle Pflanzen stehen. Auch staudenhohe Gräser sollte man stehen lassen. Stauden und Gräser können auch im Frühling zurückgeschnitten werden. Im Winter jedoch liefern die Samenstände den körnerfressenden Vögeln, wie zum Beispiel Finken, Zeisigen und Ammern, Nahrung. Und auch die insektenfressenden Vögel (Rotkelchen und Zaunkönig) kommen nicht zu kurz, denn in den hohlen Stängeln, den Blattachsen und Blütenresten überwintern viele Insekten, die sogenannten Halmüberwinterer. Auch verblühte Sonnenblumen, Disteln und die Beeren der Wildsträucher liefern vielen Tieren energiegeladene natürliche Nahrung. So ist das vermeintlich gut gemeinte winterliche Füttern nicht notwendig. Dabei kommen nur die körnerfressenden Vögel zum Zuge. Die Insektenfresser nicht. Damit wird das Überleben mancher Vogelarten begünstigt und die natürliche Balance gestört. 

Abgeworfenes Laub bietet vielen Tieren Schutz. Legen Sie Laub-, Reisig und Komposthaufen an. Stabilisieren Sie die Laubhaufen mit Ästen oder Heckenschnitt. Mit dieser einfachen Massnahme bieten Sie Kleinlebewesen wie Igeln, Kröten, Schmetterlingen und Spinnen ein warmes und geschütztes Winterquartier. 

Die Wildbienen und Hummeln schätzen es, wenn ab und zu ein Stück eines dicken Astes an einem sonnigen Ort liegen bleibt. Wenn das Holz morsch ist, können sie sich dort einnisten. Natürlich können Sie als Gärtner und Gärtnerin auch Starthilfe leisten und ins Holz horizontal Löcher bohren und den Ast ein Stück eingraben. 

Mit kleinen Dingen können Sie Grosses bewirken. Freuen Sie sich an Ihrem Garten und der darin lebenden Artenvielfalt. Pflegen Sie Ihren Naturgarten gezielt, und bremsen Sie Ihre Ordnungsliebe im herbstlichen Garten – die Tiere (Insekten, Vögel, Amphibien und Reptilien, Säugetiere) werden es Ihnen danken! Denken Sie daran: Der Garten lebt – auch im Winter! 

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